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4W: Was war. Was wird. Vom Leben in der unkontrollierbaren Realität.

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4W: Was war. Was wird. Vom Leben in der unkontrollierbaren Realität.

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

*** Nun ist sie da, die nicht sonderlich fruchtbare Debatte, ob es noch Kriegsverbrechen sind, die russische Soldaten da begehen, oder ob es schon ein Völkermord ist. Man kann die schlichte Erklärung zur Völkermordkonvention von 1948 lesen: “Die Konvention stellt dafür aber ein eher enges Kriterium auf. Der Täter muss in ‘Völkermordabsicht’ handeln, das heißt, er muss eine nach in der Konvention aufgezählten Kriterien wie Rasse, Religion und dergleichen bestimmte Gruppe durch Ermordung, Verfolgung oder ähnliche Missetaten vernichten wollen.”

In diesem Sinne ist der Kommentar des russischen Publizisten Timofej Sergejzew eine klare Anweisung für den Völkermord, wenn die englische Übersetzung des Originals stimmt. Wenn in der Ukraine die einen “Kinder” auf den Boden vor einem Theater schreiben, die anderen “Kinder” auf Raketen, die einen Bahnhof zerstören und viele Menschen töten, dann wird die ‘Völkermordabsicht’ deutlich. Die weitere Debatte erübrigt sich, ob es Krematorien sind, die da auf Sattelzügen herumgefahren werden, um Spuren zu vernichten. Es sind genug Spuren da, denn der der Völkermord findet nicht in abgeschiedenen Konzentrationslagern statt. Wer Kartoffelsäcke vermint, hat es auf die hungernde Bevölkerung abgesehen. Dazu passt die Klassifizierung als Nazi: “Ein Nazi ist ein Ukrainer, der sich weigert, ein Russe zu sein.” Die Zukunft der Ukraine ist düster, denn sie hat in den Augen von Putin kein Recht zu existieren: “Sein Ziel ist es stets, anderen Menschen das Recht zu nehmen, selbst zu definieren, wer sie sind, ihre Zukunft, ihre Bedeutung. Er möchte nicht nur kontrollieren, wer lebt und stirbt, er möchte die Realität selbst kontrollieren.” Doch die Realität kann nicht kontrolliert werden. Und in dieser Realität ist die Biologie noch einmal ein besonderes Stück Realität. So schreibt es ein anderer Wladimir, der Kaminer: “Doch zum Glück stehen die Gesetze der Biologie über jeder Verfassung, sie sind unabkömmlich und eines Tages wird sich auch der Kriegstreiber Putin mit den Füßen nach vorne aus seinem Amt verabschieden. Den Generationswechsel kann man nicht stoppen, er wird neue Menschen in die alten Sessel bringen. Das Land wird sich wieder verändern müssen, nur wie? Was wird das für ein Land sein, Russland nach Putin?”

*** Der deutsche Auslandsgeheimdienst BND soll Funksprüche russischer Einheiten abgefangen haben, die in Bucha mordeten. Sie sollen zu einigen bereits dokumentierten Leichenfunden passen und können bei anstehenden Verhandlungen über den Völkermord eine wichtige Rolle spielen. Damit hat der BND eine wichtige Funktion gemäß seiner Einsatzaufgabe erfüllt. Das war nicht immer so. Wie jetzt bekannt wird, hat der BND und sein Vorgänger, die Organisation Gehlen unter Bundeskanzler Adenauer (CDU) einen Agenten im Parteivorstand der Sozialdemokraten angeworben, der über einen weiteren Informanten und späteren BND-Mitarbeiter Details aus den Vorstandsgesprächen weitergab, die schließlich Adenauer vorgelegt wurden. Über “Deutschlands Watergate” soll ein Buch erscheinen, das die Inlandsspionage des “Auslandsdienstes” auf 1464 Seiten behandelt. Besonders wichtig war die Spionage, als mit dem Berliner Bürgermeister Willy Brandt ein ernst zu nehmender Kanzlerkandidat auftauchte, über den Adenauer und sein berüchtigter Staatssekretär Globke alles wissen wollten, was über den “Emigranten aus Schweden” zu erfahren war. Leider wurde die Spionage der beiden seinerzeit nicht bekannt, insofern ist “Watergate” dafür vielleicht die falsche Bezeichnung, ganz so, wie es Mallorca-Gate heute ist.

*** Dass ein ebenfalls nach Schweden geflohener Widerstandskämpfer, im SPD-Parteivorstand für die Abwehr kommunistischer Unterwanderung zuständig, als Spion agierte, gehört zu den kuriosen Details. Mitunter unterliegen Spione ihren eigenen schillernden Realitäten. Man sieht es dieser Tage beim ehemaligen Agenten Rainer Rupp, der in dieser Woche auf den deutschen Seiten von Russia Today über die “bodenlosen Dummheit des politischen Dilettanten Wladimir Selenskij” schrieb und die Weitsicht und Friedensliebe von Wladimir Putin lobte, der die “faschistischen Verbrecher in den Schlüsselpositionen des Staates” der Ukraine eliminieren will.

*** Es gibt andere, harmlosere Schimpfworte, die dennoch bemerkenswert sind. Zu ihnen gehört die Bezeichnung des US-Investors Warren Buffett als “soziopathischer Opa aus Omaha”, zu der sich ein etwas dicklich gewordener Peter Thiel in seinem Ärger auf der alljährlichen Bitcoin-Konferenz in Miami hinreißen ließ. Sie wurde als Mischung einer kleinen Comic-Convention mit einem Wirtschaftskongress beschrieben. Thiels Verärgerung resultierte aus der Tatsache, dass Investoren wie Buffett oder Larry Fink von BlackRock und Banker wie Jamie Dimon von JPMorgan eine “Finanz-Gerontokratie” bilden und den Erfolg von Bitcoin torpedieren. Längst hätte der Bitcoin die erfolgreichste und dezentralisierteste Währung der Welt sein müssen, doch die üblen Alten verhindern das. Für Thiel machen sie eine der größten Chancen der Welt einfach kaputt. Besonders übel nahm Thiel, dass Opa Warren Buffett Bitcoins als “Rattengift” bezeichnet hatte, in das er niemals investieren werde. Diese negative Haltung würde auch jüngere Investoren beeinflussen, die eigentlich eine “revolutionäre Jugendbewegung” rund um die Cryptowährung bilden müssten. So gesehen sind die Alten daran schuld, dass ein Bitcoin bis jetzt nicht über 100.000 Dollar steigen konnte. Worunter der Milliardär Thiel, den man wohl als libertären Antidemokraten bezeichnen kann, leiden muss.

*** BlackRock, BlackRock, da war doch was? Richtig, der neue CSU-Stratege Friedrich Merz war mal Manager bei dieser Vermögensbetreuung. Jetzt ist er wieder Politiker und bestimmt mit seiner irren Impfpflicht-Politik den Kurs der CDU, den ein Kommentator so beschrieb: Keine Macht für niemand. Der Rest sind Ton, Steine und natürlich Scherben. Wie schrieb ein anderer: Wir werden zum Narren gehalten. Im Herbst geht es dann wieder mit der Maskenpflicht und dem lauten Södern im Süden los. Man gönnt sich ja sonst gar nichts.

Bekanntlich begann die Woche mit einem Paukenschlag: Der dritte Teil des Weltklimaberichtes des IPCC wurde veröffentlicht. Sein Fazit könnte dringlicher nicht sein: Die kommenden acht Jahre sind entscheidend. Wie berichtet, sagte UN-Generalsekretär António Guterres: “Wir sind auf der Überholspur Richtung Klima-Desaster unterwegs.”

Doch zuvor sagte er in seiner ebenso kurzen wie historischen Rede: “Die Geschworenen haben ein Urteil gefällt: Und es ist vernichtend. Der neue Bericht des Weltklimarats (IPCC) ist eine Litanei der gebrochenen Klimaversprechen. Er ist eine Akte der Schande. Er katalogisiert die leeren Versprechen, die uns auf den Weg in eine unbewohnbare Welt führt. /…/ Wir stehen in der Schuld junger Menschen, der Zivilgesellschaft und indigener Gemeinschaften, die Alarm geschlagen und die Politiker zur Verantwortung gezogen haben. Wir müssen auf ihrer Arbeit aufbauen, um eine Graswurzelbewegung zu gründen, die nicht ignoriert werden kann.” Das sagt ein sonst für seine höflichen Worte bekannter Generalsekretär. Fehlt nur noch, dass er auf einer Stadtautobahn die freie Fahrt der merkbefreiten Bürger blockiert.

Narren im Regen sind dagegen eine romantische Vorstellung.

(jk)

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